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Peter Rojas, Engadget.

peter-rojas-jpg Peter Rojas - ein Star der Blogosphäre, vor allem bekannt durch sein Blog Engadget.

In atemberaubendem Tempo bringt Engadget News zu allen möglichen technologischen Spielereien und Geräten – Gadgets. Und das immer mit einer Prise Humor und Respektlosigkeit. Wir stellten Peter Rojas ein paar Fragen zu seiner Arbeit und dem Erfolg von Engadget.

Engadget ist eine der beliebtesten Websites in der Welt. Wie schafft man das? Ich habe 2001 begonnen zu bloggen. Ich lebte in New York City als Schriftsteller und war pleite, denn ich verbrachte zuviel Zeit mit Bloggen und zuwenig Zeit damit, Ideen an Verlage zu verkaufen. Eines Tages sprach ich mit Nick Denton über Blogging. Er fragte mich, warum ich nicht mehr so viel blogge. Da erzählte ich ihm von meiner Zwickmühle und er fragte mich: "Warum nicht Bloggen und damit Geld verdienen?" Wir haben dann viel Zeit damit verbracht, eine Nische mit entsprechendem Potenzial zu finden. Dabei kamen wir auf Gadgets.

Dieses Interview veröffentlichen wir bei trnd als exklusive deutsche Version im Rahmen unserer Kooperation mit PSFK. Das englischsprachige Originalinterview gibt's bei if.psfk.com.

Alle lieben Gadgets und – noch viel wichtiger - Gadgets interessieren mich! Du kannst kein professionelles Blog über ein Thema schreiben, das Dich nicht wirklich interessiert. Manchmal sieht man diese professionellen Blog-Netzwerke, bei denen es nur darum geht, Google-AdSense-Dollars einzuspielen. Das funktioniert aber nicht. Diese Inhalte sind meistens schlecht, weil die Autoren kein Interesse daran haben.

Nicht zu vergessen: erst wenn man sich seit längerer Zeit intensiv mit einem bestimmten Thema auseinandersetzt, kann man Zusammenhänge entdecken, zu anderen Stories verweisen und das Gesamtbild besser erkennen.

Deine erste Gadget-Website war Gizmodo. Wie bist Du zu dieser Tonality gekommen? Um ehrlich zu sein wurden wir durch WiFi Network News inspiriert – eine sehr professionelle Site – immer noch. Viele andere Gadget-Sites wurden von Tech-Journalisten geschrieben, die von der technischen Seite der Elektronik fasziniert waren. Uns wurde klar, dass man keine Linux-Kiste hacken können muss, um unsere Blogtexte zu schreiben (obwohl ich das mittlerweile könnte).

Unsere Schreibe war eine andere. Wir gingen anders an die Technologie heran. Dabei haben wir ne Menge von Wired, Mono2000 und RUSirius gelernt. Wir waren ziemlich respektlos, so hat sich unsere Tonalität mit der Zeit entwickelt. Und bei Engadget entwickelt sich das Ganze immer noch weiter.

engadget

Manche Leute haben noch nicht gemerkt, dass einige Blogs inzwischen sogar Mitarbeiter beschäftigen. Du hast vier Autoren. Wie selektierst Du Dein Team? Ich selbst veröffentliche 5.200 Posts pro Jahr, dazu habe ich ein Team (Ryan, Barb, Marc), das im Schichtbetrieb arbeitet. Zusätzlich gibt’s noch Autoren, die regelmäßig Kolumnen und Specials bzw. Features beisteuern. Um bei uns zu arbeiten, musst Du "es" drauf haben. Das ist zwingend erforderlich. Du musst eine gewisse technologische Breite und Tiefe besitzen ohne zwangsläufig ein Spezialist zu sein. Wir wollen keinen Macianer, der sich weigert, auf PCs zu gucken. Wir versuchen un-ideologisch zu sein - wir sind einfach begeistert von der Technologie und davon, wie Menschen dieses Zeug nutzen. Dabei versuchen wir, uns nicht nur auf bestimmte Marken zu konzentrieren.

Ein Engadget-Autor bzw. jeder Blog-Autor muss in der Lage sein, seine Message in zwei Absätzen rüberzubringen - und das mit entsprechendem Flair und Standpunkt. Eine weitere Inspiration für uns ist die Daily Show [eine tägliche Comedy News-Show, Anm. d. Übersetzers], daraus haben wir gelernt, dass man die Leser nicht für dumm halten darf. Schau Dir [die Zeitschrift] Maxim an: Die Autoren gehen dort an die Sache heran, als wären ihre Leser Idioten. Es geht ihnen nur darum, in 50 bis 75 Wörtern einen Gag zu landen. Dabei sollte Humor die Sache nur unterstützen, aber nicht der Selbstzweck sein.

Wie bestimmst Du, was reinkommt? Legt ihr euch auf bestimmte Themen fest? Für uns zählen die News. Wenn zum Beispiel gerade eine große Konferenz zu Smart Phones stattfindet, dann schreiben wir eine Woche über Smart Phones. Es geht darum, wann bestimmte Produkte erscheinen und wann die Produktnews dazu erscheinen. Wir sind sehr subjektiv und schreiben darüber, was uns interessiert.

Wir wollen News über Gadgets in Echtzeit anbieten - 24 Stunden am Tag. Die Leute wollen Informationen sofort, sie haben eine hohe Erwartungshaltung. Also versuchen wir, zwischen 8 Uhr und 16 Uhr (EST) alle 20 Minuten eine Story zu bringen. Damit bleibt es spannend.

Wir beobachten auch, was CNN geschafft hat. Sie haben die "alte" Berichterstattung abgelöst und berichten 24 Stunden live aus der ganzen Welt. So sollte Engadget auch sein.

Was passiert dann mit Zeitschriften wie Wired und T3? Sie werden nicht verschwinden, denn es wird immer Stories geben die im Internet nicht funktionieren. Sie werden sich allerdings vom Thema News verabschieden, weil sie nicht mehr in der Lage sein werden, Live zu berichten wie wir.

engadget

Es gibt eine Menge Hype darum, wer eine News zuerst meldet. Klar, und das ist sehr wichtig für uns! Wir waren die ersten, die Livebilder der Xbox 360-Konsole hatten. Es gab da ein spezielles TV-Event, das ein paar Tage vor dem Erscheinen der Xbox mit einer Menge Prominenz aufgezeichnet wurde. Dabei waren Kameras natürlich nicht erlaubt und auch Kamerahandys wurden eingezogen. Trotzdem hat es jemand geschafft, Bilder zu machen, einen MySpace-Account einzurichten und uns die URL zu schicken. Das war unsere größte Story. Wir hassen es, Bilder mit Wasserzeichen zu versehen, aber verdammt: manchmal wünsche ich mir, wir hätten damals die Bilder mit unserem Logo versehen.

Warum sollte Euch jemand einen (Link-)Tipp geben? Ich glaube, wir haben eine besondere Verbindung zu unseren Lesern aufgebaut. Wir hören sehr gerne von ihnen. Oft kommen die Tipps direkt aus den Firmen - von Leuten die stolz auf ihre eigene Arbeit sind und das der Welt mitteilen wollen. Eher selten dagegen gibt es "Lecks" von Mitarbeitern, die unzufrieden sind.

Vor Kurzem gab es einen Artikel in der britischen Presse (The Observer), der behauptete, es gäbe keine "Geeks" mehr. Wir wären inzwischen alle zu "Geeks" mutiert. Bist Du mit dieser Aussage einverstanden? Tja, in den letzten Jahren hat sich die Anzahl von Gadgets, die man durchschnittlich besitzt von null oder eins auf vier bis fünf erhöht. Menschen integrieren Gadgets auf eine Art in ihr Leben, auf die sie vor fünf Jahren nicht gekommen wären. Es gibt eine ökonomische, technische und soziale Veränderung. Ich weiß nicht, ob wir keine Geeks sind, aber ich weiß, dass wir keine Loser sind und unsere Leserschaft denkt das auch nicht.

Was treibt Dich eigentlich? Wie kommt jemand dazu mit solchem Einsatz über Technologie zu bloggen? Als ich jünger war, galt meine Begeisterung der "kritischen Theorie". Ich habe das am College studiert und habe sogar meine Dissertation über Guy Debord und die Situationistische Internationale geschrieben. Von Debord stammt ein Buch namens "Die Gesellschaft des Spektakels". In den 60er Jahren war das eine Gruppe, die radikale politische Veränderung durch subversive und agitatorische Kunst herbeiführen wollte. Es ist wesentlich komplexer als das, aber es war natürlich die perfekte Umgebung für einen unzufriedenen, intellektuellen Zwanzigjährigen. Eine Sache die mir auffällt ist, dass Technik, vor allem das Internet eine soziale Veränderung herbeiführt, die die Politik nicht schaffen kann. Ein Beispiel: Guy Debord und die Situationisten waren strikt gegen geistiges Eigentum und schafften Kunst, die gegen bestehende Regelungen von geistigem Eigentum gerichtet war. Seitdem haben viele Theoretiker und Aktivisten versucht, dieses Thema mit neuen Vorstellungen zu gestalten, ohne viel zu erreichen. Aus dem Nichts erscheint Napster und schafft im Nu eine radikale Veränderung, zu der keine politische Kraft oder kein Unternehmen im Stande gewesen wäre. Napster hat die Debatte um geistiges Eigentum ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und über Nacht die Ansichten der Menschen über dieses Thema verändert.

Um ehrlich zu sein, ich dachte immer ich würde Akademiker werden und über Kunst und Politik schreiben. Über Technologie zu schreiben, über etwas, das das Potenzial hat, das Leben der Menschen jetzt und sofort zu verändern hat jedoch etwas Handfestes und Greifbares. Technologie ist wie ein Kurzschluss, sie verändert unsere Gesellschaft. Das Aufregende ist, dass sie unser Leben auf eine Art und Weise verändern wird, von der wir noch keine Ahnung haben.

Wohin soll's mit Engadget gehen? Wir wollen in drei - vier Bereichen größer werden. Dazu haben wir beispielsweise Leser-Events aufgezogen, wir wollen Video machen, und der Podcast soll besser werden, als er momentan ist.

Bei unserem letzten Leserevent sind 200 Leute aufgekreuzt. Das war fantastisch! Ich bin gerne bei solchen Events als Sprecher dabei, um die Reaktion der Leute zu sehen. Dabei geht’s nicht um die Anzahl der Leute. Neulich, als ich in Reykjavik war, tauchten 15 Leute auf. 15 in Island! Dabei waren wir nur zu Besuch in Reykjavik, ein Radiosender hat das herausgefunden und uns eingeladen, über das Event zu sprechen!

Wollt ihr die Produkte, über die ihr berichtet auch mal verkaufen? Ich denke, wir müssen vorsichtig sein, bezüglich solcher Interessenskonflikte. Wir wollen eine vertrauenswürdige Quelle für News sein. Produkte zu verkaufen, unterwandert diese Strategie, denn dann konkurrieren die Produkte über die du schreibst mit denen, die du verkaufen willst. Um sowas macht man besser einen weiten Bogen.

Medizin gegen Viren

American Skiiing Company hat die ultimative Medizin gegen den eigenen Virus gefunden. Skier Intervention ist als virale Website gedacht wo coole Charaktere die Leser dazu bringen sollen, Ski zu fahren.

Skiviral

Leider lässt dich das Spiel nicht ausprobieren, ohne persönliche Daten zu hinterlassen. Kein Name, kein Spiel. Der virale Tod. Zudem ist da auch ein aus Marketingsicht fragwürdiges Feld: man kann E-Mail-adressen und Handynummern von Freunden hinterlassen. "Erzähle einem Freund davon" ist etwas anderes als "Lass uns Deinem Freund lustige Marketingbotschaften" schicken. Sowas hatten wir neulich bei uns im Lande - kam nicht gut an. [via adrants]

Eurostar: Involved Marketing

Eurostar verbindet mit seinen Superschnellzügen Frankreich, Belgien und Großbritannien. Für den nächsten Internet-Werbespot wird ein geeignetes neues Gesicht gesucht.

Eurostar

Das Publikum darf schon am Casting teilnehmen: ab zur Website und Stimme für den Kandidaten abgeben bis nur noch der Gewinner übrigbleibt. Prima Idee für eine Erweiterung der Gesamtwertschöpfung! In anderen Worten: das Publikum bekommt nicht nur das Endprodukt vorserviert, sondern darf auch mitmachen. Wenn da nicht ein Makel wäre: Die Internet-Adresse. Wie breit muss eigentlich ein Outdoor-Plakat sein um: http://eurostar-businesspremier.fullsix.com/uneclasseapart/index.php?targetRub=4 unterzubringen? [via marketing alternatif]

Piers Fawkes, PSFK

piers-jpg Piers Fawkes. psfk.com

An welchem Rechner arbeitest Du? Ich habe drei Rechner, zwischen denen ich "pendle": Ein älterer Dell, den ich mal als Avid Suite gekauft habe, ein IBM Laptop und ein iMac.

Deine aktuelle Top-5 Blogroll/bzw. Top-5 Websites? Das ist nicht fair. Das kannst Du mich nicht fragen. Hier sind fünf, die ich diese Woche gerade interessant finde: mobuzztv - fun, sexy, vielleicht die Zukunft von PSFK? Bastarde. kinja.com - ohne wäre ich ein Nichts. The Royal Magazine - online pdf-Magazine. Phatgnat - ein PSFK-Autor - großartiges ethisches Geschäftsmodell, welches kurz vor dem Durchbruch steht. Technorati - wer braucht google?

Deine aktuelle Top-5 Playlist? LCD Soundsystem Arcade Fire Gorillaz Ror-Shak

Du liest aktuell? Ich lese parallel vier Business-Bücher für eine Kritik auf PSFK. Eines Tages möchte ich gerne wieder Fiktion lesen, aber gerade jetzt ist RSS so verdammt interessant.

Gute Trends? Consumer-Kollaboration, Mashups, Nischen-Brands für Jugend die von der "alten Garde" nicht verstanden werden, "People Media" (Blogs), Web-TV, Handy-TV.

Schlechte Trends? Cola und Bier-Mix oder was auch immer ihr in Deutschland gerade trinkt...wie könnt ihr sowas mit Eurem schönen Bier anstellen? Blog-Abteilungen in Werbeagenturen.

Leute oder Objekte für die einsame Insel? Merina, der Barmixer in meinem Pub und ein guter Chef - jemanden wie Gordon Ramsey. Ich hätte auch gerne eine E-Mail-Verbindung mit meinem Freund Simon King.

Forschung, Bartender, Fark, Psychogeografie

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(1) Meinungsforscher = Marktforscher? Die Bundestagswahl bereitet nicht nur den Politikern Kopfschmerzen, sondern auch den Meinungsforschern, die diesmal - wie bei der letzten Wahl - gründlich daneben lagen. Und das, obwohl der Aufwand, die Methoden aufwändiger waren denn je. Hier kann man eine prima Parallele zu den Marktforschern ziehen. Der größte Unterschied mag in der Produktauswahl liegen. In der Politik sind's gerade fünf ernsthafte Alternativen. Da, sollte man meinen, ist es nicht so schwer eine Konsumprognose abzugeben. Tja, und wenn's schon dort nicht klappt, wie soll's denn in der freien Wirtschaft mit tausenden von Konkurrenzprodukten funkionieren? Ist hier der Unsicherheitsfaktor weniger? Eben nicht, Eine Möglichkeit ist, die Kunden zusammenhängend zu erforschen, an der Produktentwicklung, am Launch teilhaben zu lassen - eine tiefere Verbindung über den gesamten Lebenszyklus des Produkts eben. Unbedingt mit TRND darüber reden und Risiko verringern.

(2) Partytier? Schlechtes Erinnerungsvermögen? iPod in der Tasche? So kannst Du nicht nur für Musik sorgen, sondern mit dem iPod Bartender hast Du gleich eine praktische Cocktail-Datenbank mit 230 drinks in der Tasche. Sicher fallen Dir noch weitere 1.589.242 Rezepte ein um die 40GB auch voll zu kriegen (dann allerdings ohne Musik) [fosfor gadgets]

(3) Photoshop-Profi? Dann sollte fark.com unbedingt in die Bookmarkliste. Möglichkeiten, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen gibt es genug. So auch der Hund im Trockner, der es sogar zu BoingBoing-Ehren brachte. Los geht's!

(4) Schon in der Nomenklatur des Web2.0 bewandert?Ein Begriff fehlt Dir noch: Psychogeografie, yeah. Glowlab.04 ist online. Cool!

Asahi Super Yeast Draft (2).

Nach unserer Entdeckung einer neuen japanischen Biersorte wollten wir eigentlich ein paar Dosen davon importieren und unter den trnd-Partnern verlosen. Zufällig lebt ein Bekannter von mir seit 1 Jahr in Kamakura, Japan. Diesem habe ich gestern ein Email geschrieben und er hat sofort geantwortet, dass er uns gerne ein paar Dosen Bier :-) schickt. Als ich mit UPS einen Abholtermin vereinbaren wollte, bekam ich folgende Antwort: "Bierdosen können wir nicht transportieren, das ist verboten weil es zu gefährlich ist. Dies können Sie im Internet auf unserer Liste der vom Versand ausgeschlossenen Artikel nachlesen". Krass - und dort stehen "alkoholische Getränke" tatsächlich an erster Stelle, neben „Lebenden Tieren“, „Feuerwaffen“ und „pornografischem Material“. Anschließend habe ich dann gleich noch bei FedEx angerufen. Auch dort bekam ich die Auskunft "Uih, doa steht "prohibited" mit einem dicken Kreuz, des derfma net transportieren, scheint g`fährlich zum sei".

Tja, das war´s wohl mit der Idee - jetzt gibts leider kein japanisches Bier für trnd-Partner :-(

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